Revision & Qualitätskontrolle

Eine fachgerechte Revision ist weit mehr als die Reinigung eines Uhrwerks. Jede Uhr wird in meiner Werkstatt systematisch geprüft, vollständig zerlegt, gereinigt, auf Verschleiß kontrolliert, fachgerecht montiert, reguliert und anschließend einer umfassenden Qualitätskontrolle unterzogen.

Warum eine fachgerechte Revision Zeit benötigt

Jede Uhr durchläuft in meiner Werkstatt alle neun aufgeführten Arbeits-, Prüf- und Kontrollschritte. Eine fachgerechte Revision benötigt daher Zeit, Sorgfalt und Ruhe. Einzelne Arbeitsschritte können nicht übersprungen oder beliebig beschleunigt werden, ohne die Qualität der ausgeführten Arbeiten zu beeinträchtigen.

Bitte haben Sie deshalb Verständnis für die erforderliche Bearbeitungszeit. Häufige Nachfragen nach dem aktuellen Bearbeitungsstand binden zusätzliche Werkstattzeit und können den Arbeitsablauf unnötig unterbrechen.

Mein Ziel ist nicht, Ihre Uhr möglichst schnell, sondern fachgerecht, sorgfältig geprüft und zuverlässig an Sie zurückzugeben.

Vielen Dank für Ihre Geduld und Ihr Verständnis.

1. Eingangskontrolle und Dokumentation

Vor Beginn der Revision wird die Uhr sorgfältig geprüft und ihr aktueller Zustand dokumentiert. Dabei werden Gehäuse, Glas, Krone, Drücker, Armband und weitere sichtbare Bauteile auf Beschädigungen und Verschleiß kontrolliert.

Anschließend erfolgt eine Funktions- und Gangkontrolle. Bei mechanischen Uhren werden die Gangwerte auf dem Witschi Prüfcomputer erfasst und dokumentiert. So lassen sich Abweichungen, Auffälligkeiten und mögliche Fehler bereits vor der Demontage des Uhrwerks erkennen.

Die Eingangskontrolle bildet die Grundlage für die weiteren Arbeiten und ermöglicht einen späteren Vergleich mit den Ergebnissen nach Abschluss der Revision.

2. Demontage des Uhrwerks

Nach der Eingangskontrolle wird das Uhrwerk aus dem Gehäuse entnommen. Zeiger und Zifferblatt werden fachgerecht abgenommen und geschützt abgelegt.

Anschließend wird das Uhrwerk vollständig in seine einzelnen Baugruppen und Werkteile zerlegt. Je nach Kaliber werden dabei unter anderem Automatikaufzug, Kalendermechanismus, Räderwerk, Hemmung, Unruh, Federhaus und Aufzugssystem demontiert.

Bereits während der Demontage werden die Bauteile auf sichtbare Beschädigungen, Verschleiß, Korrosion, verharzte Schmierstoffe und weitere Auffälligkeiten kontrolliert. Defekte oder verschlissene Teile werden für die spätere Beurteilung dokumentiert.

Erst nach der vollständigen Demontage werden die dafür vorgesehenen Werkteile gereinigt. Eine fachgerechte Revision bedeutet daher nicht, ein komplettes Uhrwerk lediglich in ein Reinigungsgerät zu legen, sondern jedes relevante Bauteil einzeln zu prüfen und anschließend gezielt weiterzuverarbeiten.

3. Reinigung der Werkteile

Nach der vollständigen Demontage werden die dafür vorgesehenen Werkteile gründlich gereinigt. Alte Öle, Fette, Abrieb und sonstige Verunreinigungen müssen vollständig entfernt werden, damit die Bauteile anschließend zuverlässig geprüft und neu geschmiert werden können.

Die Reinigung erfolgt in mehreren aufeinander abgestimmten Reinigungs- und Spülbädern. Empfindliche Bauteile werden entsprechend ihrer Bauart getrennt und mit besonderer Sorgfalt behandelt.

Nach der Reinigung werden die Werkteile getrocknet und erneut kontrolliert. Erst auf sauberen Oberflächen lassen sich eingelaufene Lagerstellen, beschädigte Zapfen, Korrosion oder andere Verschleißspuren zuverlässig beurteilen.

Eine gründliche Reinigung ist damit ein wesentlicher Bestandteil jeder fachgerechten Revision und die Voraussetzung für eine saubere Montage und korrekte Schmierung des Uhrwerks.

4. Kontrolle auf Verschleiß und Beschädigungen

Nach der Reinigung werden die einzelnen Werkteile sorgfältig auf Verschleiß, Beschädigungen und Korrosion geprüft. Saubere Bauteile ermöglichen eine zuverlässige Beurteilung der funktionell wichtigen Flächen und Lagerstellen.

Kontrolliert werden unter anderem Lagersteine, Zapfen, Räder und Triebe, Verzahnungen, Federhaus, Aufzugs- und Zeigerstellmechanismus sowie die Bauteile der Hemmung. Bei Automatikwerken wird zusätzlich der automatische Aufzug auf Verschleiß und einwandfreie Funktion geprüft.

Besondere Aufmerksamkeit gilt eingelaufenen Lagerstellen, beschädigten oder verbogenen Zapfen, abgenutzten Verzahnungen, Korrosionsspuren und Bauteilen mit übermäßigem Spiel. Auffällige oder defekte Teile werden dokumentiert und – sofern technisch erforderlich und verfügbar – ersetzt oder fachgerecht instand gesetzt.

Nur Bauteile, die sich in einem technisch einwandfreien Zustand befinden, bilden die Grundlage für eine zuverlässige Montage, korrekte Schmierung und dauerhaft gute Funktion des Uhrwerks.

5. Montage und fachgerechte Schmierung

Nach Reinigung und Kontrolle beginnt die sorgfältige Montage des Uhrwerks. Die einzelnen Baugruppen werden in der vorgesehenen Reihenfolge zusammengesetzt und dabei laufend auf korrekten Sitz, ausreichendes Spiel und einwandfreie Funktion geprüft.

Die Schmierung erfolgt gezielt und sparsam an den dafür vorgesehenen Reib- und Lagerstellen. Je nach Baugruppe kommen geeignete Uhrenöle und Fette zum Einsatz. Dabei ist sowohl die richtige Auswahl des Schmierstoffs als auch die exakt dosierte Menge entscheidend.

Besondere Sorgfalt gilt unter anderem den Lagerstellen des Räderwerks, der Hemmung, dem Federhaus, dem Aufzugs- und Zeigerstellmechanismus sowie – bei Automatikwerken – den Bauteilen des automatischen Aufzugs.

Zu viel Schmierstoff kann ebenso nachteilig sein wie zu wenig. Eine fachgerechte Schmierung reduziert Reibung und Verschleiß und trägt wesentlich zu zuverlässigem Gangverhalten und langfristiger Funktionssicherheit des Uhrwerks bei.

6. Regulierung und Gangkontrolle

Nach der Montage wird das Uhrwerk zunächst in Betrieb genommen und auf ein gleichmäßiges Gangverhalten geprüft. Anschließend erfolgt die messtechnische Kontrolle auf dem Witschi Prüfcomputer.

Dabei werden – abhängig vom jeweiligen Kaliber – unter anderem Gangabweichung, Amplitude und Abfallfehler in mehreren Lagen erfasst. Die Messung erfolgt mit den zum Uhrwerk passenden Prüfparametern, beispielsweise dem korrekten Hebewinkel.

Auf Grundlage dieser Werte wird das Uhrwerk fachgerecht reguliert. Ziel ist nicht nur ein möglichst kleiner momentaner Gangfehler, sondern ein stabiles und ausgewogenes Gangverhalten in den verschiedenen Lagen.

Nach der Regulierung werden die Messwerte erneut kontrolliert und dokumentiert. Erst wenn das Uhrwerk über die geprüften Lagen ein technisch überzeugendes und reproduzierbares Ergebnis zeigt, erfolgt die weitere Abschlussprüfung.

7. Gehäuse, Dichtungen und Wasserdichtheitsprüfung

Parallel zur Revision des Uhrwerks wird auch das Gehäuse sorgfältig kontrolliert. Dabei werden unter anderem Glas, Krone, Drücker, Tubus, Gehäuseboden und die vorhandenen Dichtungen auf Verschleiß, Beschädigungen und ausreichende Funktion geprüft.

Dichtungen werden – soweit erforderlich – gereinigt, geprüft, fachgerecht gefettet oder ersetzt. Bei verschraubten Kronen und Drückern wird zusätzlich auf einen einwandfreien Sitz und eine sichere Funktion der betreffenden Bauteile geachtet.

Nach dem Zusammenbau der Uhr erfolgt – sofern Bauart und Zustand der Uhr dies zulassen – eine Wasserdichtheitsprüfung mit geeignetem Prüfgerät. Die Prüfung wird mit den für die jeweilige Uhr vorgesehenen Prüfwerten durchgeführt und dokumentiert.

Eine bestandene Wasserdichtheitsprüfung bestätigt den Zustand zum Zeitpunkt der Prüfung. Sie stellt jedoch keine dauerhafte Garantie gegen später eintretende Undichtigkeit dar, da Dichtungen und Gehäusebauteile durch Alterung, Verschleiß und äußere Einflüsse beansprucht werden.

8. Langzeitprüfung und Abschlusskontrolle

Nach dem vollständigen Zusammenbau der Uhr beginnt die abschließende Qualitätskontrolle. Dabei wird geprüft, ob Uhrwerk, Zeigerstellung, Aufzug, Datumsschaltung und – sofern vorhanden – weitere Funktionen zuverlässig und einwandfrei arbeiten.

Die Gangwerte werden erneut auf dem Witschi Prüfcomputer kontrolliert und mit den bei der Eingangskontrolle ermittelten Messwerten verglichen. Zusätzlich erfolgt eine Langzeitprüfung über mindestens 10 Stunden, um das Gangverhalten des Uhrwerks unter realistischen Bedingungen zu beurteilen und mögliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.

Neben der Ganggenauigkeit werden auch Amplitude, Abfallfehler und das Verhalten in den relevanten Lagen überprüft. Abweichungen werden bei Bedarf nachreguliert und anschließend erneut kontrolliert.

Zum Abschluss erfolgt eine sorgfältige Sicht- und Funktionsprüfung der gesamten Uhr. Erst wenn alle vorgesehenen Prüfungen erfolgreich abgeschlossen sind und die Ergebnisse technisch überzeugen, gilt die Revision als beendet.

9. Dokumentation und Übergabe

Nach Abschluss der Revision werden die ausgeführten Arbeiten und die Ergebnisse der abschließenden Prüfungen dokumentiert. Dazu gehören – soweit für die jeweilige Uhr relevant – die kontrollierten Funktionen, die Gangwerte nach der Regulierung sowie das Ergebnis der Wasserdichtheitsprüfung.

Die Abschlusswerte werden mit den bei der Eingangskontrolle ermittelten Daten verglichen. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie sich das Gangverhalten und der technische Zustand der Uhr durch die Revision verändert haben.

Bei der Übergabe erhält der Kunde die Uhr in geprüftem Zustand zurück. Hinweise zu Bedienung, Wasserdichtheit, zukünftigen Wartungsintervallen oder besonderen Eigenschaften des Uhrwerks werden bei Bedarf erläutert.

Ziel jeder Revision ist nicht nur eine kurzfristige Verbesserung der Gangwerte, sondern ein technisch sauber aufgebautes, zuverlässig funktionierendes Uhrwerk und eine nachvollziehbare Qualitätskontrolle der ausgeführten Arbeiten.